Malerische Hochtäler, Gletscherberge, glitzernder Schnee, klirrend kalte Luft und malerische Bergdörfer. Drei Tagen bikten wir durch eine der schönsten Winterlandschaften der Schweiz. Die Stimmungen und Momente die wir auf den dicken Reifen erlebten, waren geradezu magisch. Mit 210 Frosttagen und 71 Eistagen und das Ganze bei notabene 322 Sonnentagen macht das Engadin zu einem Fatbike-Revier erster Güte.
Rechts unterhalb der Sonne ist der spektakuläre Biancograt mit dem Piz Bernina zu erkennen. Mit 4048 müM ist er der einzige 4000-er der Ostalpen. Mitte der 90-er Jahre hatten wir den Gipfel – spontan während eines Trainingslagers im Engadin – über den Biancograt bestiegen. Damals endete der Morteratschgletscher nur etwa 500 Meter weiter hinten.
Am ersten Tag verbinden wir hoch über dem Talboden die urtümlich gebliebenen Unterengadiner Bergdörfer. Hier liegt der Ursprung der Kindergeschichte von „Schellen-Ursli“. Der bekannte Bündner Künstler Alois Carigiet (1902-1985) verlieh dem Kinderbuch, mit seinen Zeichnungen, seinen unverkennbaren Charakter. Die hochnebelartige Bewölkung verzieht sich nun mehr und mehr und macht im Verlaufe des Tages der Sonne Platz.
Von den Südhängen des Unterengadins blicken wir immer wieder zum mächtigen Piz S-chalambert. Neuschnee wäre überfällig – aber immerhin sind die Temperaturen winterlich. Und so ist auch der Schnee griffig und die Trails „rollen“ sehr gut.
Im Oberengadin liegt etwas mehr Schnee. Vor allem wenn man in die wilden Seitentäler vordringt. Kein anderes Tal im ganzen Alpenraum weist eine Serie von mehreren aufeinanderfolgenden Seen auf, welches von 3’000 bis 4’000 Meter hohen Gletscherbergen umgeben ist. Mit dem Kälteeinbruch hoffte ich, dass sich das Eis dieser Seen noch schliesst bis wir unsere Tour starten. Leider zeichnete sich schon in den Vortagen ab, dass erst der St. Moritzer- und Champferer See zugefroren und befahrbar sein werden. Und so habe ich für die geplante Tour, über die gefrorenen Seen bis nach Maloja, eine Alternative vorbereitet. Wir tauchen ein in eines der unberührtesten Seitentäler. Ein Trail, der uns immer tiefer hinein in eine wahre Winter-Wunder-Welt führt…
Die „Alternative“ war also genau so spektakulär. Der Trailanteil gar noch höher. Und vor allem haben wir im Engadin ein neues Fatbike-Tourenrevier entdeckt. Da es die vergangenen beiden Wochen keinen Neuschnee mehr gab waren sehr viele Schneeschuhtrails vorhanden. Für uns ein wahrer Fatbike-Traum und es öffneten sich Möglichkeiten die es sonst eher gegen Ende Winter gibt. Sehr stimmungvoll war dann am Abend noch der legendäre Night-Ride hinein ins Val Bever.
Heute sind wir im Angesicht der höchsten Berge der Ostalpen unterwegs. Biancograt, Piz Bernina, Rosegg, Palü und viele mehr können wir von unseren Trails aus bestaunen. Dieser Talkessel war vor 3 bis 5 Millionen Jahren der Talschluss des Engadins. Es ist mit rund minus 15°C klirrend kalt. Aber bald erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen und die Temperaturen gehen rasant aufwärts.
Ein wahr gewordener Fatbike-Traum… Insgesamt fahren wir heute auf über 20 Kilometer Schneeschuhtrails – und dies in einer Winterlandschaft, die uns einfach nur staunen lässt. Über kleine Wellen, Kämme und mit vielen Richtungswechseln schlängeln uns durch wunderschöne Täler. Wir erleben gerade den Snow-Flow.
Drei Tage Fatbike-Emotionen, die für immer in Erinnerung bleiben! Danke euch allen für dieses wunderschöne Erlebnis.
Kommentare