Innerschweizer Gebirgsspektakel – 2 mal 5000 Hm (5. – 6. September)

Senkrechte Felswände, mächtige Gletscher, tosende Wasserfälle, abgrundtiefe Schluchten und azurblaue Seen beeindruckten und prägten. Da wo Uri, Nidwalden, Obwalden und Bern zusammentreffen, wird es für uns Biker besonders spektakulär. Vom malerischen Vierwaldstättersee ging es durch die Voralpen bis ins Hochgebirge und wieder zurück. Dies waren zwei Tage lang Innerschweizer Bikespektakel von der exklusivsten Sorte.


Es ist 12 Uhr, wir sind bereits seit sieben Stunden auf dem Bike und haben 3700 Hm in den Beinen. Mit fast 2000 Tiefenmetern starten wir hier zu einer der längsten Trailabfahrten der Innerschweiz. Wohl schon in der Eisenzeit, aber sicher in der Bronzezeit und auch von Römern wurde dieser Übergang genutzt. «Ausgebaut» mit einem Handelsweg wurde er jedoch nie. Zu lange liegt der Schnee in diesen wilden Hängen. Auch für uns galt es – obwohl schon September – noch zwei grössere Schneefelder zu queren.
Laut einer Sage soll auf den Alpweiden unter uns, einst ein Ungeheuer sein Unwesen getrieben haben. Dieses konnte schliesslich durch einen sieben Jahre alten Stier besiegt werden, welcher von der edelsten Jungfrau Uris zum Kampfplatz geführt wurde. Der Stier ist, wie das Ungeheuer, beim Kampf ums Leben gekommen, sein Kopf ziert aber bis heute das Urner Kantonswappen.


Mit 1500 Metern ist dies der letzte lange Uphill vom ersten Tag. Zeitlich liegen wir etwas vor meiner Marschtabelle und wir können die Abendstimmung im Hochgebirge in vollen Zügen geniessen.
Militärstrategisch hatte der Übergang eine kurze Zeit lang eine gewisse Bedeutung. So wurde 500 Meter unter uns, an einem natürlichen Engpass, im 17. Jahrhundert ein Damm erbaut. Bei Gefahr wurde dieser geschlossen, das aufgestaute Wasser überschwemmte den alten Saumweg und machte ihn unpassierbar. 1712 konnte so ein Vordringen einer Berner Armee verhindert werden. Knapp hundert Jahre später, als Napoleon mit seinem Heer kam, hatte diese Verteidigungstaktik aber keine Chance mehr.


3500 Meter stemmen sich die Fels- und Gletscherwände in den Himmel. Im letzten Abendlicht und mit inzwischen 5600 Höhenmetern in den Beinen geht es in die finale Abfahrt. Die Stimmung ist atemberaubend und einzigartig schön. Eine grosse innere Zufriedenheit macht sich bemerkbar.
Der historische Übergang hatte einen gewissen Stellenwert als Querverbindung zwischen den grossen Nord-Süd-Routen. Dies vor allem als im 17. und 18. Jahrhundert die eine oder andere Transitroute für den Salzhandel blockiert war oder wegen Pest und Viehseuchen geschlossen wurde. Die erfolgten politischen Veränderungen erforderten im frühen 19. Jahrhundert einen Ausbau des alten Saumweges. Im Winter sollte gar ein Schlittenverkehr möglich sein. So begann man 1811 mit dem Bau dieses zwei Meter breiten Weges. Von der Passhöhe beginnend arbeitete man sich langsam dem Tal entgegen welches dann 1818 erreicht wurde.


Der zweite Tag startet mit einer Abfahrt. Eine Stunde lang fahren wir im Schein unserer Stirnlampen dem Tal entgegen. Eine Ideale Einwärmstrecke. Auf jeden Fall fühlten sich die Beine dann beim 1400 Hm-Uphill erstaunlich gut an. Wir befahren eine der wichtigsten Handelsroute der Innerschweiz. Bis vor dem Bau der Gotthardbahn, wurde auf diesem Weg mit Saumtieren Sprienzkäse aus der Innerschweiz ins Piemont transportier und auf dem Rückweg Wein mitgebracht.


Der zweite grosse Berg führt uns an den Schnittpunkt zwischen Zentralalpen und Voralpen. Nochmal geht es für uns Biker ins Hochgebirge. Die Aussicht beeindruckt, unter uns ein gähnender Abgrund. Elegant schlängelt sich das Weglein den steilen Flanken entlang, um schliesslich 1500 Meter ins Tal hinunterzustechen. Eigentlich wäre das bereits ein Schluss-Bouquet, aber es geht noch mal richtig zur Sache.


Es folgt die letzte lange Bergfahrt, die zum Schluss auf einem Singletrail zum Passübergang hochführt. Nochmal ist voller Krafteinsatz gefordert. Ein Wandersmann erklärt uns, dass wir da oben schieben müssen – viel zu steil sei der Weg. Das war dann Ansporn genug um ihn im Sattel zu bewältigen.
Im Licht der späten Nachmittagssonne reicht der Blick zurück zum Stanserhorn. Wir geniessen noch die letzten knackigen Abfahrtstrails bevor wir wieder am Ufer des Vierwaldstättersees ankommen.
Kaum fassbar was wir in zwei Tagen erlebt haben. Mir scheint es, als ob wir eine ganze Woche unterwegs waren. Die 10‘000 Höhenmeter haben wir in den Beinen. Wir sind so richtig zufrieden, geniessen den Moment, die Stimmung und den Teamspirit.
Ganz herzlichen Dank für dieses unglaubliche Erlebnis und ganz herzliche Gratulation für diese Leistung. Auch am Tag danach ist es kaum vorstellbar was wir geschafft haben. Das waren Bikeemotionen vom allerfeinsten! Danke auch für den grossartigen Verpflegungseinsatz von meinen Eltern Christina und Ruedi, von Esther und Willi – Dank ihnen war diese Tour in dieser Art überhaupt möglich.

Kommentare

Martin
10. September 2021
Gut 25h biken in 2 Tagen war einmal mehr fast so intensiv wie ein Wochencross! Dazu haben die echten Trails, das tolle Panorama und die idealen Wetterverhältnisse geholfen, diese T(ort)our zu überstehen und dabei in vollen Zügen zu genießen – nebst den Spezialboostern Kaffee & Nutella. Dir, Deinem Vater Ruedi und Esther herzlichen Dank für alles, was ihr in diesen zwei Tagen geleistet habt, sodass wir nur fahren durften! Merci! Martin
10. September 2021
Wenn Luki durch seinen eigenen Heimkanton und die Innerschweiz führt, dann kann man sich glaub gut vorstellen, mit was für Superlativen er das Spektakel schmückt. Super Tour, und sicher nicht zu wenig Up- und Downhills :-)
9. September 2021
Hallo Luki Du bist und bleibst der Trail-Gott der Schweiz wenn nicht sogar weiter herum...!!! Unglaublich, was wir da in den 2 Tagen erleben durften. Trails und Naturlandschaften vom Feinsten und Allerschönsten und das fast vor meiner Haustür. Herzlichen DANK für dieses tolle aber auch anstrengende Erlebnis! Bis bald wieder mal auf einem geilen Trail! Viele Grüsse DANi

Schreibe einen Kommentar