Tourenbericht „2×5000 Hm Eiger – Mönch – Jungfrau” (18. & 19. August)

Im Prinzip fahrbar! 2 Tage und je eine 5000 Höhenmeter-Tour. Dies war die ganz grosse Konditions-Herausforderung im 2017! Der Anblick der Hochgebirgslandschaften des Berner Oberlandes, die atemberaubenden Tiefblicke und die gewaltigen Panoramen gaben zusätzlich Energie. Genau so faszinierend waren aber auch die Trails – sie gehören zu den Besten und spektakulärsten der Schweiz! Nicht umsonst gibt es die identische Tour im 2018 – aber dann aufgeteilt in 4 Tage…

Noch selten bin ich mit einer Gruppe um 4:30 Uhr in der Früh bereits auf dem Bike gesessen. Aber der frühe Start hat sich dann aus zwei Gründen gelohnt…
Gegen 6 Uhr löschen wir die Bikelichter. Die Morgenstimmung 1500 Meter über dem Haslital mit Blick zu Wendenstöcken und Titlis ist atemberaubend schön. Wir sind bereits mitten im Up- und Downhill Flow und geniessen diesen faszinierenden Moment. Die Gruppe ist unglaublich dynamisch unterwegs und von Beginn an bauen wir gegenüber meiner errechneten Marschtabelle ein wachsendes Zeitpolster auf. Eine Zeitreserve die uns nach 14 Stunden wahrlich zugutekommt. Denn 115 Kilometer und 5800 Höhenmeter später erreichen wir das Ziel – und exakt in diesem Moment bricht die Kaltfront mit ihren heftigen Frontengewittern über uns herein.


Aber den ganzen Tag über präsentieren sich Wetter und Bergwelt von ihrer schönsten Seite. Bereits nach dem ersten langen „Morgen“-Aufstieg wartet ein über drei Stunden langer Höhentrail mit anschliessender 1300 Höhenmeter Trailabfahrt auf uns. Es ist eine faszinierend schöne Region da wir mitten im Grenzgebiet zwischen Innerschweiz und Berner Oberland unterwegs sind. Vor uns präsentieren sich die Wetterhörner – nach dem kleinen Rücken „erweitert“ sich das Panorama mit dem weltbekannten Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau.


Auf „unserem“ Höhenweg werden wir gefordert. Kurze anspruchsvolle Abschnitte fordern immer wieder viel Kraft und viel Technikraffinesse. Aber die Natur verleiht zusätzlich Kraft. Es kommen einige Höhenmeter zusammen. Aber nach jedem Eck und nach jeder Schulter öffnen sich neue Aussichten die uns tief beeindrucken. In diesen frühen Morgenstunden haben wir den Trail in seiner gesamten Länge für uns alleine.


Zuerst über offene Bergweiden und später durch Tannenwälder geht es 1700 Höhenmeter durch dutzende von Serpentinen dem See entgegen. Flowabschnitte wechseln sich ab mit verspielten Kehren wo man das Hinterrad versetzen kann. Ein Trail der Super-Klasse der unglaublich verspielt ist. Über eine Stunde rauschen wir nun dem Tal entgegen. 3700 Höhenmeter haben wir hier auf dem höchsten Punkt des ersten Tages bereits geschafft – über 2000 folgend noch. Das Wetter stimmt mich zuversichtlich – aber in 4 Stunden schaut es schon ganz anders aus…


Ein deutlicher Temperatursturz hat in der Nacht eingesetzt. Bei Nieselregen und Nebel erreichen wir am Morgen den ersten Übergang. Auf knapp 2000 Meter zeigt das Thermometer noch 5°C an – gute 15°C weniger als gestern. 700 Meter weiter oben, auf „unserem“ Gipfel, müssten wir mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und vor allem mit böigem Wind rechnen. Ich passe die Tour an indem wir direkt ins Tal abfahren und den zweiten Aufstieg in Angriff nehmen. Gefühlte 1000 Optionen und Möglichkeiten spiele ich im Kopf durch – aber nach dem zweiten Uphill beginnt sich das Wetter langsam zu bessern und der Fall ist klar. Trotz dem Starkregen in der Nacht wage ich die steile Trailabfahrt ins Lauterbrunnental. Ein Volltreffer denn der Wind hat gewirkt und die Trails beginnen bereits abzutrocknen. Hier erleben wir nun mächtige Wasserfälle die über die beeindruckenden Felswände hinunterschiessen – bei dieser Stimmung wirkt das Tal noch wilder.


Der letzte Aufstieg des Tages fordert noch mal Körner. Aber 1200 Höhenmeter später erhaschen wir zwischen den Wolken hindurch immer mal wieder einen kurzen Blick zur imposanten Jungfrau. Fels und Gletschereis ist bei gutem Hinsehen zu erkennen. Schlagartig werden einem die Dimensionen bewusst. Obwohl wir noch mal auf 2000 Metern unterwegs sind türmen sich die Berge auf der anderen Talseite geradezu in den Himmel. Und wiederum folgt einer dieser stundenlangen Trails. Die Glücksgefühle kommen hoch und auch die Freude, dass wir unser Ziel in Kürze erreichen. Durch die Abkürzung sind schlussendlich „nur“ 9100 Höhenmeter zusammengekommen. Aber viel mehr als die Höhenmeter haben diese Trails, diese Landschaften und vor allem unsere tolle Bikerfreundschaft gezählt die sich tief in unsere Bikerherzen eingebrannt hat. Vielen Dank euch allen für dieses gewaltige Mountain-Bike Erlebnis!

Kommentare

22. August 2017
Hey Luki, Diese Tour war einmal mehr eine optimale Herausforderung für den Körper, Geist und die Biketechnik. Du hast wie immer top organisiert und uns alles ermöglicht. Die Gruppe war in einer sensationellen Verfassung. Vielen vielen herzlichen Dank. Ich freue mich schon jetzt aufs nächste Zusammtreffen. Sonnige Bikergrüsse Stefan
Walter
21. August 2017
2 x 5.000 war wieder einmal einfach LUKAS L = lässig U = urgeil K = kompetent A = abwechslungsreich S = sensationell Vielen Dank an alle die dabei waren. Walter
Andreas
21. August 2017
Super kompakti Gruppä, geniali Trails, top Guide -> und das alles vor Ieserä Huistirä i Ieserä Heimat. Adnreas
Röthlin Erich
20. August 2017
Hey Luki, vielen Dank für diese zwei starken, unvergesslichen Tage. Leider musste ich feststellen, wenn ich jemanden erzähle, was wir abgefahren sind, werde ich oft schräg angeschaut und viele glauben es nicht wirklich. Ja, als wir von der Axalp zurückschauten, war es schon fast unvorstellbar, was wir am ersten Tag schafften! Wow! Wir waren aber auch eine geniale, starke Gruppe! So geschlossen im Team war ich noch selten mit Leuten unterwegs. Konnten aber auch von Deiner super Führung und Organisation profitieren. Vielen, vielen Dank Luki Erich

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