Unterwaldner 2 x5000 Hm Challenge 19. & 20. August 2024

Zwischen dem Vierwaldstättersee und den 4000-ern der Berner Alpen erwartete uns eine riesige Fülle an spektakulärsten Landschaften. Hoch über dem Vierwaldstättersee, dem Engelbergertal und dem Sarneraatal erreichten wir einige der schönsten Aussichtspunkte der Region. Das Wetter und die Verhältnisse forderten bei der Dernière dieser Ultimativen Tour welche seit 2012 insgesamt 13-mal durchgeführt wurde.
Dass die Verhältnisse fordern werden, zeichnete sich schon am Tag vor der Tour ab. Der viele Regen führte dazu, dass ich vor allem am ersten Tag viele Abfahrten abändern, umfahren oder abkürzen musste. Das Wasser auf den Trails so wie die rutschigen Steine und Wurzeln waren nur das Eine, das andere waren die Trails, welche über Kuhweiden führten und teilweise arg gelitten hatten. Für die Gruppe war es in Ordnung, dass ich in Anbetracht der Verhältnisse die Tour etwas anpasse. Auf die Höhenmeter hatte es keinen Einfluss – jedoch wurde der Singletrail-Anteil leider etwas kleiner. Aber da wo möglich und sinnvoll habe ich jeden noch so kurzen Trail mit eingebaut.


Bei Nieselregen fahren wir um 5 Uhr los, die Motivation ist gross da wir wissen, dass das Wetter immer besser werden sollte. Unser «Start-Berg» ist der kleinste – bei guter Sicht würde er zum Tourstart eine fantastische und würdige Aussicht bieten. Der Nebel verhindert dies tatkräftig – dafür wähle ich einen enorm spektakulären Trail der  mächtig beeindruckt. Weiter geht es mit dem zweiten Aufstieg und der nächsten langen Abfahrt welche uns hier ins Engelbergertal hinunter führt. Da wartet das erste feine Mittagessen bei Isabelle, Ruth und Hermi auf uns.


Der letzte Berg vom ersten Tag führt bis über die Waldgrenze. Ab1400 müM tauchen wir mehr und mehr ein in dichten Nebel. Die Temperaturen sind kaum noch 10°C – eine Stimmung wie im Herbst. Eigentlich hatte ich im Laufe des Tages mit aufkommendem Sonnenschein gerechnet. Bei guter Sicht würden wir jetzt eine unglaublich idyllische Landschaft mit kleinen Plateaus, weidenden Kühen, tiefblauen Seen, senkrechten Felswänden und steilen «Planggen» geniessen. Barocke Kapellen zeugen hier vom tief verankerten Glauben der Älpler in dieser wilden Natur. Ich behalte die Gruppe beisammen da die Sicht inzwischen keine 20 Meter mehr beträgt. Froh bin ich, als wir wieder unter den Nebel kommen. 1800 Höhenmeter Abfahrt kommen nun bis zum Etappenziel zusammen. Fast wie im Sinkflug und nun mit etwas Panoramablick rauschen wir zum Ziel, welches wir bereits kurz nach 18 Uhr erreichen.


Am zweiten Tag spielt das Wetter von Anfang an mit. 1700 Höhenmeter Frühstücks-Aufstieg kombiniert mit Sonnenaufgang und einem Gebirgspanorama wie aus dem Bilderbuch. Wir sind im Schnittpunkt zwischen den voralpinen Gebirgsregionen und den hochalpinen Gletscherbergen. Eiger, Mönch, Jungfrau und Schreckhorn im Süden. Schrattenfluh im Westen, Rigi und Stanserhorn im Norden, Titlis und Sustenhorn im Osten. Ein 360-Grad Panorama der Extraklasse. Nun gilt unsere Konzentration aber dem schmalen Kammweglein, welches exakt auf dem Grat verläuft.
Nicht mehr lange und wir tauchen ein in die grösste Hochmoorlandschaft (130 km2) der Schweiz. Flächenmässig ist sie gar grösser als der Vierwaldstättersee (114 km2). Tannenwälder, gelbe Graslandschaften, blaue Seen, malerische Bäche und vor allem die Weiten erinnern mich hier immer wieder an die Rocky-Mountains.


Kilometerlang geht es über faszinierenden Polenwege. Um der Gefangennahme der deutschen Wehrmacht zu entkommen, überschritten 1940 etwa 12’000 Polnische Soldaten die Schweizer Grenze. Sie wurden interniert und im ganzen Land verteilt wobei sie Arbeitseinsätze im Bereich Wegebau, Trockenlegung von Sümpfen sowie in der Landwirtschaft leisteten. Insgesamt erbauten sie bis Kriegsende 450 Kilometer Wege.
Der Blick auf den unter uns liegenden Vierwaldstättersee ist wunderschön. Nun beginnt sich der Kreis unserer Tour langsam zu schliessen. Die letzten 900 Hm warten noch auf uns. Dann erreichen wir um 19:30 Uhr unser Ziel. Natürlich sind wir alle müde – aber noch viel mehr sind wir stolz, dass wir diese Herausforderung zusammen gemeistert haben. Wir können kaum fassen, wie weit wir in diesen zwei Tagen gekommen sind. All die Erlebnisse müssen erst ein wenig sortiert werden… Ganz herzlichen Dank für dieses unglaubliche Abenteuer und ganz herzliche Gratulation für diese Leistung. Auch am Tag danach ist es kaum vorstellbar, was wir geschafft haben. Das waren Bikeemotionen vom allerfeinsten! Danke auch an Isabelle für die Hervorragende Betreuung.


Da das Interesse immer kleiner wurde, war dies vorerst die letzte offizielle «2 mal 5000 Hm» Tour. Eine kleine Ära und ein Stück «Luki-Bike-Geschichte» geht nach 13 Austragungen zu Ende:

  • 2012 – Rund um den Vierwaldstättersee
  • 2013 – Giro del Ticino
  • 2014 – Wallis Extrem
  • 2015 – Rund um den Mont Blanc
  • 2016 – Churfirsten
  • 2017 – Eiger, Mönch und Jungfrau
  • 2018 – Chur-Engadin
  • 2019 – Bern-Wallis
  • 2020 – Saanenland
  • 2021 – Titlis Rundtour
  • 2022 – Giro Lago Maggiore
  • 2023 – Patrouille des Glacier
  • 2024 – Tour de Unterwalden

Wer weiss, vielleicht ist das Interesse wieder mal gross genug für eine solche Herausforderung. Dann organisiere ich definitiv wieder eine «2 mal 5000 Hm Tour». Und auf privater Basis, resp als Privatguiding ist eine solche Tour so wie so jederzeit möglich.

Kommentare

23. August 2024
Ein absolut würdiges Schluss-Bouquet auf Lukis Home-Trails war diese Dernière... Grossartig. Vielen Dank für dieses herausfordernde Format der 2x5000hm, das unvergleichbar bleibt mit allem Anderen was ich kenne. Organisation, Planung und Guiding war wiederum - wie bei allen Ausgaben, die ich mitmachen durfte - perfekt (ok, das gute Wetter wurde diesmal ein Tag später als bestellt geliefert :-)
Erich Röthlin
21. August 2024
2014 bei Wallis extrem fuhr ich das erste mal die 2X5000Hm . Nun war ich non Stopp elf mal dabei . Es gab Touren , wo ich mir währen der Fahrt schwor , dass dies meine letzte 2X5000Hm Tour war und doch jedes Jahr , meldete ich mich sofort ohne zu zögern für eine weitere 2X5000Hm Tour an . Ja da kommen bei mir riesen Erinnerungen , Emotionen zusammen . Habe alle elf Touren kpl. ohne abzukürzen , sauber fertig gefahren und würde jede einzelne Tour als Erfolg und Höhepunkt in meiner Bikekarriere bezeichnen . Hier einen herzliches Dankeschön an Luki . Alle Touren waren Top organisiert in schönster Bergkulisse mit den genialsten (und härtesten) Trails . Was wir hier zusammen erlebt haben , kann uns keiner nehmen . Ein wenig wehmütig ist für mich der Gedanke schon , dass dies nun die letzte 2X5000Hm Tour war . Aber dafür hat Luki dieses Jahr nochmals alles gegeben und uns wunderschöne zwei Tage beschert . Wir waren eine kleine , aber ganz tolle Gruppe . Wenn ich nun in Lukis Tourenkalender schaue , finde ich in Zukunft viele , viele weitere Höhepunkte , auf die ich mich freuen kann . Erich Röthlin
21. August 2024
LETZTE CHANCE dachte ich, als das Wort "Dernière" für 2x5000hm fiel. Mehr als 10 Jahre lang konnte ich mich erfolgreich vor diesem Moment drücken. Unzählige Ausreden später war er dann gezwungenermassen da und es gab kein Zurück mehr. In früher und regnerischer Morgenstunde reihte ich mich also als absoluter 2x5000hm-Neuling etwas nervös in der ersten Startreihe ein - Lenker an Lenker mit der Elite dieser Disziplin. Und siehe da, knapp 40h später war es tatsächlich geschafft! Dazwischen entstanden - wie bei jedem Bike-Abenteuer mit Luki - unzählige Eindrücke. Ob es zu einer Wiederholung kommt...wer weiss!? Denn wie sagt man so schön: Nach der Dernière ist vor der ersten Zusatzshow! Vielen Dank Luki für diese Extrem-Tour - es war grandios. Danke auch an das kleine, aber äusserst feine Teilnehmerfeld - es war mir eine Ehre! Und Isabelle: Für die TOP und zur richtigen Zeit passende Verpflegung - DANKE!

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