Walser- und Schmuggler-Trails im Rhätia (22. – 29. August)

In einigen der schönsten Bündner Hochtälern genossen wir eine exklusive Bikewoche die einst gar nicht so im Programm vorgesehen war. Kurzfristig als Ersatztour für die Bikereise nach Colorado und Utah geplant, wollte ich etwas ganz Besonderes gestalten und ausarbeiten. Ein neues Konzept sollte es sein und eine Tour, die zumindest abschnittsweise ein klein wenig an unsere ursprünglich geplante Amerika-Reise erinnern sollte.


Dass das Wetter am ersten Tourentag eine Herausforderung wird zeichnete sich bereits im Vorfeld ab. Dank kleinen Streckenanpassungen und dem ausgedachten Zeitmanagement geht die Tour aber schlussendlich fast auf die Minute auf. Wir erreichen im steilen Gelände den hochalpinen Übergang. Der Wind frischt auf und auf der Passhöhe sind wir bereits im dichten Nebel. Die Pause ist kurz und wir stechen rasch in die lange und flowige Abfahrt hinein. Exakt bei Gewitterbeginn erreichen wir unseren Zielort. Fünf Minuten lang werden wir noch „geduscht“ aber schon wenig später sind viele von uns dann im warmen Whirlpool. Eine Bikegruppe die wir im Aufstieg überholten berichten uns, dass sie 30 Minuten hinter uns mit Murgängen und Hagel zu kämpfen hatten.


Wir bleiben zwei Nächte stationär und nehmen zwischen Arosa und der Lenzerheide einige der besten Trails mit. Die Wolken hängen heute tief und unsere höchsten Gipfel sind im dichten Nebel. Aber im Verlaufe des Tages wird es freundlicher und erste Sonnenstrahlen dringen durch die Wolkendecke. Der einsame Übergang war im ausgehenden Mittelalter eine Walserroute über welche der hochgelegene Talschluss, jenseits der Passhöhe, besiedelt wurde. Ende des 12. Jahrhunderts verliessen erste Gruppen aus dem Wallis ihre Heimat und wurden so zu Walsern. Dabei drangen sie zuerst Richtung Süden und später immer weiter Richtung Osten bis sie schlussendlich den Süd-Bayrischen Raum erreichten wo die Walserbewegung dann 1360 ihren Abschluss fand.


Weiter auf den Spuren der Walser wechseln wir hinüber ins Landwassertal, wo wir wiederum zwei Nächte bleiben. Die langfristigen Wetterprognosen führen zu einer Programmanpassung und so wartet heute die Königsetappe auf uns. Zwischen Engadin und Landwassertal gibt es unerwartet viel Einsamkeit und traumhaft schöne Trails. Fast 12 Stunden sind wir heute unterwegs und kosten diesen Trail-Tag in vollen Zügen aus. Das Licht der tief stehenden Sonne zaubert eine mystische Stimmung in die menschenleere Bergwelt – dieser einzigartige Moment ist der Lohn für den harten und langen Up-Hill.


Die dritte grosse Überführungsetappe der Rhätia-Tour bringt uns ins Engadin. Der Trailhunger ist gross und so wird an diesem Tag auch noch die Zusatzschleife mitgenommen. Schlussendlich sehen wir dann den markanten Piz Kesch mit seinem Gletscher aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen. Ein Trailtag der uns über vier Pässe, durch acht Täler…


…und vorbei an malerischen Seenlandschaften führt. Die Weiten und die Einsamkeit erinnert schon fast an die wilden Westalpen.


Die letzten drei Tage unserer Tour sind wiederum stationär. Wir machen kurzzeitig noch einen Abstecher auf die italienischen Trails. Dieser alte Militärsteig stammt aus dem 1. Weltkrieg und gehörte zur Linea di Cadorna. Kriegerische Auseinandersetzungen gab es hier aber nie. Wegen fehlendem Geld und Ressourcen wurden diese Wege auch nie so gut ausgebaut wie die Militärwege in den Ost- und Westalpen. Genutzt wurden die Wege dann aber vor allem im 2. Weltkrieg. Dies dann jedoch zum Leidwesen des italienischen Staats. Fürs Italienische Militär erbaut, waren es nämlich die Partisanen, welche nun hier gegen die Faschisten kämpften. Oder dann waren es die Schmuggler die auf diesen Wegen ca 1000 Tonnen Kaffee pro Jahr aus der Schweiz nach Italien «importierten».


Es ist der letzte Tag unserer Rhätia Tour. Das Wetter schlägt langsam um aber wir nutzen die noch letzten trockenen Stunden. Nochmals warten einsame Täler und lange Trails auf uns. Wir geniessen die Ruhe und diesen letzten gemeinsamen Tourentag. Unser nächstes gemeinsames und grosses Ziel ist der «Bikespirit Colorado & Utah» 2022. Schon jetzt ist meine Vorfreude riesengross. Vielen Dank für diese gemeinsame und wunderschöne Zeit in den Rhätischen Alpen.

Kommentare

Markus Stucki
7. September 2020
Die neue Mischung von Camp und Cross hat sich sehr bewährt. Habe dadurch viele neue Täler und Routen in der CH kennengelernt. Das Format hat eine Weiterführung verdient, nicht nur in der CH. Sowohl die Bolzer- wie auch die Blüemligruppe hatten viel Spass an der grossen Auswahl an Touren, die täglich angeboten wurde. Auch auf die Herausforderungen des Wetters hattet ihr immer eine optimale Routenanpassung parat, welch geniale Umsicht! Bei den Hotels wars ebenfalls ein Steigerungslauf, der Komfort in Bever war grandios. Lieber Luki, lieber Rolf Danke euch beiden herzlich für dieses schöne gemeinsame Erlebnis. Freu mich schon auf die nächste gemeinsame Reise.
Andrea
3. September 2020
Vielen herzlichen Dank an alle, besonders an Rolf und die Blüemligruppe, für eine unvergessliche Bike-Woche durch grandiose Landschaften!!! Hätte nicht gedacht, dass „Downhill“ so viel Spass machen kann :-) Machets guet und hoffentlich bis bald mal wieder!
1. September 2020
Es war eine ganz tolle Woche mit ebenfalls ganz tollen Leuten. Unter dem Motto 'Wir fahren dort hinauf, wo andere herunterfahren' überquerten wir schöne, abgelegene rhätische Pässe, Forcletta's oder Furca's auf besten Trails. Natürlich und vor allem machten auch die tollen Abfahrten Spass... Besten Dank an Luki und alle Teilnehmer für die tolle Woche und die interessanten Gespräche ;-)
31. August 2020
Luki und Rolf. Vielen Dank für die Super Woche. Luki, wow, da hast Du uns ja ein aussergewöhnliches «Trostpflästerli» für die leider für diese Jahr entgangene USA Tour präsentiert. Wunderschöne Gegend, einsame und abgelegene Täler, altertümliche Walser Siedlungen, formidable Bike Hotels, Möglichkeit den einen oder anderen «Uphill» mit dem Bühnli zu entschärfen, herrliches Bike Wetter – alles was das Herz des Mountainbikers höher schlagen lässt. Luki, Rolf und Kollegen es war ein Vergnügen mit Euch unterwegs zu sein. Einen speziellen Dank an Rolf dem Guide der «Plaisir/Blüemli» Gruppe, welcher mit viel fachlichem Geschick und Einfühlungsvermögen die Gruppe geleitet hat. Dieses Camp wird wohl für sehr lange Zeit ganz vorne in meinem «Erinnerung-Speicher» präsent bleiben.
Christoph
30. August 2020
Lieber Luki, Du hast Da zusammen mit Co-Guide Rolf ein extrem tolles Cross-Camp aus dem Hut gezaubert. Es war super, immer mind. zwei Nächte an einem Ort zu haben und trotzdem in drei verschiedenen Gegenden unterwegs zu sein. Ein solches Format wird sicher auch künftig auf grosse Nachfrage stossen. Es war eine äusserst abwechslungsreiche Woche mit tollen Trails, netten Leuten und ausgezeichneten Guides - halt einfach so, wie man es von Luki kennt und gewohnt ist!
Sandra
30. August 2020
Ganz schön gefordert bei den "Uphills" und dafür mehr als belohnt bei den "Downhills" :-). Hammer Singeltrail-Woche mit tollen Gspändli und Guide Rolf. Grosses Dankeschön für dieses mega Erlebnis mit Euch!
30. August 2020
Lieber Luki Danke für die geniale Woche in Graubünden! Ein Cross mit 3 stationären Stops war 3 x Ferien:) Natürlich waren die Touren wie immer Spektakulär und ich muss sagen ich hatte wie Du erwähnst, einen puren Trailrausch! Wenn ich mir jetzt die Fotos anschaue kommen Emotionen hoch die noch sehr lange anhalten werden! Ich würde am liebsten gleich wieder mit Dir und den coolen Lukibikern in die Berge hoch. DANKE TUUSIG und bis gli. Oli :)

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