Auf Alpini-Trails mitten durch das Herz Dolomiten 3. – 9. Juli 2022

Die östlichen Dolomitenfelsen sind die spitzesten und elegantesten. Sie ragen wie zu Stein erstarrte Flammen gegen den Himmel – filigran und atemberaubend mächtig zu gleich. Auf wilden Alpinitrails erreichten wir auf unseren Bikes das innerste dieser Felsbastion. Wir erlebten eine verborgene Welt von atemberaubender Schönheit die uns für immer in Erinnerung bleibt.


Der erste von insgesamt einem Dutzend spektakulärer Gebirgspässe ist geschafft. Aus einer engen Klamm führt der Weg empor in dieses weite Hochtal. Eine alte Wallburg auf 2600 Metern, aus prähistorischer Zeit, zeugt von der einstigen Wichtigkeit dieser abgelegenen Gebirgsregion. Mehrere Täler treffen hier zusammen und können über verschiedene Pässe verlassen werden. Kuhglocken-Gebimmel führt uns durch diese wunderschöne Karstlandschaft. Schon kurz nach dem Start sind wir mitten im Abenteuer «Giro dei Dolomiti» angekommen.


Nach der gestrigen Bergankunft wartet heute Morgen eine Trailabfahrt. Wir sind im Schnittpunkt dreier verschiedener Täler. Steinzeitliche Funde belegen, dass diese Übergänge schon seit Jahrtausenden genutzt wurden. Wie alle Dolomitenpässe hatten sie jedoch keine überregionale Bedeutung – dies, weil der Alpenhauptkamm und somit die Wasserscheide nicht über Dolomiten verlaufen. Wir befinden uns inzwischen im Ladinischen Sprachraum. Der Kontrast von saftig grünen Alpweiden und den Kalkfelsen beeindruckt mich hier immer wieder. Mit dem Duft von Alpenrosen in der Nase geniesse ich jeden Schwung auf diesem Weglein.


Vom Tagesanbruch an tauchen wir vollends in diese einmalige Fels- und Karstlandschaft ein. Es ist kühl, die Luft ist klar und entsprechend gestochen scharf ist die Sicht. Kaum vorstellbar, dass im ersten Weltkrieg der Frontverlauf durch diese Region führte. Unzählige Militärsteige, einige davon führen mitten durch Felswände, lassen uns tief in diese wilde Landschaft eintauchen. Über Pässe erreichen wir immer wieder neue Geländekammern. Oft blicken wir hinunter in tief eingeschnittene Täler. Sie wirken wie Schlunde durch die es hinunter in die Zivilisation geht. Und genau durch ein solches Tal – es ist wohl eines der wildesten welches ich kenne – geht es dann bergab. Fast zwei Stunden werden wir auf dem Trail gefordert und mit einer Szenerie verwöhnt, die uns für immer in Erinnerung bleibt.


Heute werden wir vom längsten Kammtrail unseres «Giro dei Dolomiti» verwöhnt. 1500 Meter über dem Talboden und im Schnittpunkt vom Veneto, Südtirol und Osttirol geht es über kilometerlange Trails gen Osten. Heute schauen wir mit etwas Abstand zu den weissen Kalksteinwänden. Wir fahren fast den ganzen Tag parallel einem Kranz von Zacken, Türmen und Wänden entlang. Kaum vorstellbar, dass wir gestern da mitten durch gefahren sind. Bereits die Kelten, Illyrer, Etrusker und vor allem die Römer waren in den tief unter uns gelegenen Tälern unterwegs. Die alte Route der Römer wurde bis ins 18. Jahrhundert genutzt was für den Alpenraum einzigartig ist. Alle anderen Routen sind nach dem Untergang des römischen Reiches, 476 n. Chr., dem Verfall Preis gegeben worden.


Auf dem Grenzkamm von Südtirol und Osttirol versuchen wir der nahen Gewitter-Front ein Schnippchen zu schlagen. Früher als geplant verlassen wir aber dann den exponierten Rücken und rauschen auf einem Trail ins Tal hinunter. Die Wolken ziehen zu und das Risiko auf dem langen und exponierten Kamm wird mir zu gross. Der Entscheid war richtig wie sich schon wenig später zeigen sollte. Die Szenerie und die Stimmung, die wir in dieser einsamen Bergwelt erleben fasziniert mich. Das Schotterfeld unterhalb der markanten Felsspitze, in der Bildmitte, hatten wir erst vor zwei Tagen durchquert.


Es ist der letzte und zugleich höchste Pass unserer Tour. Auf über 2600 Meter blicken wir zurück auf eine wunderschöne Almenlandschaft und zugleich noch mal mitten hinein in «unsere» Dolomitenfelsen. Urkunden belegen, dass im 12. Jahrhundert bayrische Klöster im Besitze einiger dieser Almen waren, was auf eine frühe agrarwirtschaftliche Bedeutung und Nutzung dieser Gebirgsregionen hindeutet.
Wir wenden uns auf der anderen Passseite der Abfahrt zu die man alpenweit durchaus zu den schönsten zählen kann. Ausgesprochen abwechslungsreich leitet sie uns durch ein immer schmaler werdendes wildes Tal hinunter. Von den wenigen Wanderer gibt es erstaunte wie ungläubige Blicke. Ziemlich selten dürften hier Biker unterwegs sein und vielleicht guide ich hier gerade den ersten Alpencross über diesen unbekannten Dolomiten-Pass.
Euch allen ein riesiges Danke für dieses einzigartige Dolomiten-Erlebnis. Es war wunderschön mit euch zusammen all diese Emotionen zu erleben und das Bikefeeling zu geniessen!

Kommentare

13. Juli 2022
Lieber Luki, das war eine weitere atemberaubende Tour mit Dir durch die Dolomiten! Dein Dolomitencross mit den Trails vom Brenner über Alta Badia nach Brixen war bereits ein Highlight, dem der neue Dolomitengiro etwas weiter östlich zwischen Sexten und Cortina d'Ampezzo in nichts nachsteht! Steile Auffahrten, gigantische Blicke auf Peitlerkofel, Puez-Geissler-Gruppe, Sellaronda, Marmolada, Kreuzkofel, Lagazuoi, Trofana, Drei Zinnen, Sextner Dolomiten, Seekofel und natürlich den Alpemhauptkamm, endlose Trails, authentische Unterkünfte und gutes Wetter! Nicht zu vergessen die eine oder andere Schiebepassage - jedenfalls für mich... Herzlichen Dank nochmals für die tolle Woche!
Christian
11. Juli 2022
6 Tagesetappen gespickt mit unzähligen WAU-Erlebnissen in einer traumhaften Gebirgslandschaft. Die Touren waren fordernd und anstrengend mit ihren zum Teil steilen Rampen. Dafür wurden wir belohnt mit den tollen Aussichten in verwilderten Tälern, Gebirgsübergänge und Landschaften. Ein tolles Gruppenerlebnis mit Hochs und Tiefs zur Weiterempfehlung. Danke Luki für diese 6 tollen Biketage.
10. Juli 2022
Du hast uns mal wieder das schönste vom schönen gezeigt. Eigentlich unmöglich was manchmal auf uns zukam, und der Blick zurück zeigte uns, das unmögliche machbar ist. Die Dolomiten sind ein wahres Wunderwerk der Natur und einfach unbeschreiblich schön. Die Zeit verging leider viel zu schnell. Danke an die coole Truppe und dir Luki für diese unglaubliche Tour. Bis bald wieder
Urs Wäckerlin
10. Juli 2022
Was für ein Erlebnis. Neben meiner Hauptaufgabe das Gepäck der Teilnehmer sicher von Hotel / Rifugio zu Hotel zu bringen und dafür zu sorgen, dass eine Mittagsverpflegung gewährleistet war, hatte ich selbst Zeit in diese unglaubliche, einzigartige Gebirgslandschaft einzutauchen und die komplette Stille in mich aufzusaugen. Kaum vorstellbar, dass diese Monumente einmal von einem Meer bedeckt waren. Schon immer faszinierten mich Berge. Die grossen und kleinen Felsformationen haben mein Leben beeinflusst und machten es reicher. Sie sind für mich ein Kompass, der mich führt. Haben meine Identität geformt und machten mich zu dem was ich jetzt bin. Luki, du hast in mir in meiner zweiten Lebenshälfte den Weg zurück zu den Bergen und der Natur wieder voll entfacht. Für das danke ich Dir von Herzen.

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