Die Zeit hier in den Nordvogesen scheint stillzustehen und so erwartete uns ein Bikerlebnis der besonderen Art. Vier Tage tauchten wir ein in eine Region, die uns auf ihren Trails ihre Geschichte erzählte. Dichte Wälder, mystische Sandsteinformationen, historische Burgruinen und Relikte aus dem 2. Weltkrieg begleiteten uns auf dieser Tour. Die Nordvogesen sind ein Geheimtipp für Trail-Enthusiasten welche verwöhnt aber auch gefordert werden wollen.

Bei sommerlichen Temperaturen rauschen wir ab dem ersten Tag durch ein Labyrinth von Trails. Die Sommer-Trockenheit hat ihre Spuren hinterlassen – Wasserstellen sind rar geworden. Immer wieder tauchen mystische Sandsteinformationen auf, die uns in Staunen versetzen. In La Petite Pierre, einem malerischen mittelalterlichen Ort, spüren wir die Geschichte in jedem Stein. Die ehemalige Burg Lützelstein, die einst das Elsass mit Lothringen verband, thront über dem Dorf und erzählt von vergangenen Zeiten. Am Abend erreichen wir Saverne, eine Stadt mit römischen Wurzeln und einer bewegten Geschichte. In der besten Boulangerie des Ortes, lassen wir den Tag ausklingen und geniessen den Moment und das soeben erlebte Abenteuer.

Am zweiten Tag steht die Königsetappe mit 2200 Höhenmetern an – ein wilder Ritt durch Märchenwälder und über elf Hügel. Kaum ein Dorf am Wegesrand, nur ein tropfender Brunnen versorgt uns kurz vor der Mittagspause mit kostbarem Wasser. Die Sonne scheint vom stahlblauen Himmel – Temperaturen wie im Sommer. Je länger die Tour, desto steiler und höher die Berge. Die Landschaft belohnt uns mit jedem Meter. In einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert übernachten wir heute. Die Geschichte dieses Ortes ist bis heute spürbar. Und einmal mehr erwartet uns am Ziel eine feine Boulangerie. Flori, mein Freund und Co-Guide, ist diesbezüglich ein Spezialist und weiss wie ein Vogesen-Biketag gebührend abgeschlossen wird…

Der angekündigte Regen trifft mitten in der Nacht ein – aber schon nach einer Stunde ist er vorbei. Trotzdem bleiben die Wege griffig, der sandige Boden verhindert Matsch und schon kurz nach dem Start ist alles wieder trocken. Bestes Bikewetter auch am dritten Tag. Die Sonne zaubert ein malerisches Licht in die Wälder – magische Momente welche Glücksgefühle auslösen. Die Trails bieten eine Vielfalt, die uns staunen lässt. An jeder Kreuzung stehen mehrere Wege zur Auswahl – wir entscheiden uns ausschliesslich für das Beste. Wir erreichen die Maginotlinie, ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Versteckte Bunker säumen unseren Weg und lassen uns über die Geschichte nachdenken. Die anspruchsvollen Trails führen durch idyllische Landschaften und historische Fachwerkdörfer. Auf dem Grand Winterberg, mit seinem historischen Turm, geniessen wir einen atemberaubenden Blick mitten in die unendliche Vogesen-Welt. Das Château de Schoeneck, eine Ruine aus dem 13. Jahrhundert, erzählt von vergangenen Zeiten. Wir rauschen über die Trails – teilweise mit über 45 km/h…

Der letzte Tag fordert uns noch einmal heraus. Ein kurzer Abstecher führt uns gar in die angrenzende Pfalz. Beeindruckende Sandstein-Felsformationen versprühen ein Robin-Hood-Feeling. Die Trails sind anspruchsvoll, doch immer wieder gibt es auch flowige Abschnitte, die mit soooo viel Zug zu fahren sind. Das Schloss Fleckenstein, ein Wahrzeichen der Region, liegt an unserem Weg. Ein Lauf-Event zwingt uns zu einer kleinen Streckenanpassung.
Der letzte Berg fordert ein letztes Mal, doch die unendliche Abfahrt am Ende ist die Belohnung. Was für eine Tour – ein einzigartiges Erlebnis in einer Region, die uns mit Trails der alleredelsten Sorte verwöhnte.
Diese Biketour durch die Nordvogesen war mehr als nur ein sportliches Abenteuer. Sie war eine Reise durch die Zeit, eine Entdeckung von Geschichte, Natur und Kultur. Jeder Trail erzählte seine eigene Geschichte – die Nordvogesen haben uns mit offenen Armen empfangen und uns mit Erlebnissen beschenkt, die immer in Erinnerung bleiben. An dieser Stelle auch ein riesiges Dank an dich Flori für deinen grossartigen Einsatz und dein Co-Guiding! Und an dich Ueli für den Gepäcktransport. Nur im Team ist ein solches Erlebnis in dieser Art überhaupt möglich. Ich habe jeden Moment in vollen Zügen genossen.


Kommentare