Exotisch-wilde Seealpen (18. – 25. Juli 2026)

Auf den Spuren der Partisanen und der einsamen Hirten, erlebten wir eine der entlegensten Alpenregionen. Exotische Geologie, wilde Täler und uralte Dörfer welche durch ein historisches Wegenetz miteinander verbunden sind. Im Herzen der ursprünglichen Seealpen entdeckten wir eine völlig neue Alpenwelt die uns täglich mit atemberaubenden Highlights überraschte und ganz tief in den Bann zog.


Die Daluis Schlucht gehört zu den beeindruckendsten Schluchten der Alpen. Sie ist rund 260 Mio. Jahre alt und wurde erst viel später in die Alpenfaltung integriert. Der stark Eisenoxyd gefärbte Sandstein verwöhnt uns mit einer völlig surreal roten Landschaft.
Aus dem Anfänglichen Alp- und Wiesentrail biegen wir unvermittelt ein in diese einzigartig rote Landschaftsszenerie. In Kombination mit der grünen Vegetation und dem blauen Himmel ergeben sich atemberaubende Farbkontraste. Der Untergrund ist wie erwarten sehr trocken und entsprechend rutschig. Mit dem notwendigen Gespür wird der Trail ein Genuss. Bewusst bremse ich die Gruppe und gebe Zeit, um sich ans Terrin zu gewöhnen. Von Trail zu Trail kommen wir mehr und mehr in den Rhythmus. Unglaublich was uns geboten wird. Schon am ersten Tag ein Feuerwerk an Trails und Landschaftseindrücken.


Die Cians Schlucht wird oft im selben Atemzug mit der Daluis Schlucht genannt. Sie liegt weiter im Osten und ist mit 25 km viermal länger als die Gorges Daluis. Sie ist genauso rot, jedoch mit dem Unterschied, dass es diesmal roter Schiefer und Tonstein ist. Die Tour bringt uns am Start auf einem uralten Militärweglein direkt an die Grenze des Mercantour Nationalparks. Ein unbekanntes Weglein, welches ich vor 12 Jahren entdeckte und seid dem immer wieder befahre. Ein Höhentrail wie er schöner nicht sein kann. In diese unzugängilichen Berge hat sich die Bevölkerung kurzzeitig zurückgezogen, als sie im zweiten Weltkrieg ihre Dörfer verlassen mussten. Über herrliche Wiesentrails und durch kleine Einsattelungen und an Flanken entlang biken wir nun ins Tineé Tal. Es folgt eine Zwischenabfahrt in das vielleicht entlegenste Dorf der Region. Die räuberische Sarazenen dürften diesen entlegensten Winkel auf ihren Raubzügen wohl nie aufgefunden haben. Noch ist nichts von der roten Landschaft zu sehen, aber das ändert sich in Kürze. Ein unscheinbarer Einstieg führt uns mitten hinein in dieses stundenlange und technische Trail-Feuerwerk hoch über der Gorges Cians. Die richtige Fährte zu finden ist eine Herausforderung. Wenn man sie hat ist Spektakel pur angesagt!


Einen völlig anderen Charakter erleben wir am dritten Tag im Süden unserer Region. Das Gelände ist enorm verwinkelt. Unzählige kleine Tälchen ziehen in alle Himmelsrichtungen. Ganz vereinzelt liegt da oder dort noch ein altes Dorf auf einer markanten Schulter. Ruhe ist hier schon längst eingekehrt. Die grosse Knacknuss ist das Wasser. Jeder von uns hat über 3 Liter vom kostbaren Gut dabei. Es wird zum begrenzenden Faktor da viele der Brunnen ausgetrocknet sind.
Dieser spektakuläre Weg war einst die Verbindung zwischen zwei völlig abgelegenen Dörfern welche nur über Pässe hinweg erreichbar waren. Er war – wie viele dieser Wege – die Hauptschlagader für das abgeschiedene Leben inmitten dieser Berge. Hier wurden Güter transportiert und Hirten zogen mit ihren Schafen und Geissen auf die Alpen hoch. Diese Wege mit ihren alten Brücken sind Zeichen einer einst blühenden Kulturlandschaft. Kreuz und quer biken wir durch dieses wilde Hinterland.
Ein überraschend aufkommendes Hagel-Gewitter zieht nördlich von uns vorbei. Die Tourenplanung mit Wasser und Hitze geht perfekt auf, denn ich weiss wie viel mehr Zeit eine Tour benötigt, wenn die Temperaturen 35 Grad und mehr sind. Auf jeden Fall funktioniert alles nach Plan und entsprechend happy bin ich bei unserer Zielankunft.


Heute erleben wir eine fast durchgehende Singletrail-Tour. Wiesentrails führen schnell aus der zivilisierten Welt hinaus. Schon nach 30 Min, haben wir das Land und die Berge der Hirten erreicht. Eine unscheinbare Wieseneinsattelung trennt uns wieder von den bekannten roten Fels- und Erdlandschaften.
Wir starten in die Abfahrt und nehmen ein Maximum an exotischen Trails mit. Es ist kaum fassbar was uns hier geboten wird. Einzigartig, einmalig, faszinierend. Zwei sehr kleine Alpsiedlungen geben mir Rätsel auf. Beide inklusive einer einfachen Kapelle. Vielleicht sind es auch kleine Bergausiedlungen. So faszinierend diese Landschaft mit ihren Trails, so rätselhaft ist die Geschichte.
Weiter geht’s! Nun wieder auf klassischen Traumtrails und zum Schluss mit einem knackigen Uphill zurück in unser Bergdorf.


Beeindruckend wie sich hinter der Daluis Schlucht die Welt öffnet. Drei Schleifen stehen heute auf dem Tourenprogramm – jede in ihrer Art einzigartig. Die Startschleife führt mitten hinein in eine weitere geologische Besonderheit der Region – es sind «Terre Noires» wie hier auf dem Bild.
Die zweite Schleife führt wieder nahe an den Mercantour-Nationalpark. Das Seitental ist an und für sich schon weit abgelegen – aber ganz am Ende gibt es tatsächlich noch ein Dorf. Bis heute ist es nur mit einer Schotterstrasse erschlossen. Soweit geht es für uns jedoch nicht, denn die feinen Trails warten schon etwas früher. Es sind Trails von der alleredelsten Sorte. Zurück im Haupttal gibt es einen Zwischenstopp, bevor es zum finalen Schlussbouquet geht. Wegen der enormen Hitze passe ich die Route ein wenig an. Etwas flachere UpHill Trails mit mehr Fahrtwind ist die Idee. Weit oben erreichen wir eine weitverzweige alpine Almenlandschaft – einmal mehr tauchen wir ein in eine neue Welt. Und nun geht es los: Edelste „Trailmeterie“ führt uns wie im Sinkflug zurück ins Tal, wo wir ein kühles Bad im Talbach geniessen. Eine Wohltat und vor allem auch die ideale Regeneration für den morgigen Biketag.


Der finale Tourentag dieser Bikewoche führt uns auf beiden Talseiten zu den längsten und schönsten Singletrails. Der erste Aufstieg führt hinein in eine Dolomiten-Landschaft. Wir können uns kaum satt sehen. Dann biegen wir ein in die lange Abfahrt – es ist der uralte Passweg. Abschnittsweise ist das historische Trassee noch gut zu erkennen – eine Meisterleistung der Wegbautechnik aus der Zeit der Saumhandels. Eigentlich wäre nach dieser Abfahrt alles erreicht und man ist wunschlos glücklich. Wäre da nicht dieser ominöse Berggipfel auf der gegenüberliegenden Talseite, wo diese lupenreine Gipfelbefahrung möglich ist. Einsamstes Alpenland, eine Landschaft an der man sich nicht satt sehen kann und eine Trail-Abfahrt vom Gipfel bis ins Tal. Bikematerie!!!
Danke euch allen für diese atemberaubende Bikewoche im Herzen der Seealpen – Mountainbiking a la Westalpen mit Emotionen die ganz, ganz tief gehen!

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