Durch das wilde Ligurien (6. bis 13. Juni 2026)

Zwischen Mittelmeer und den Höhenzügen des Ligurischen Apenneins, erstreckt sich eine der ursprünglichsten und wildesten Landschaften Italiens. Nur wenige Kilometer von der Küste entfernt tauchten wir ein in eine Welt aus einsamen Bergdörfern, endlosen Kämmen und vergessenen Wegen. Immer wieder führte uns die Route in tief eingeschnittene und verlassene Täler um uns später wieder hoch zu aussichtsreiche Höhenzüge zu leiten. Auf diesen erlebten wir eine grenzenlose Aussicht über die gesamte Ligurische Riviera und bis nach Korsika, gleichzeitig blickten wir über die Poebene bis zum Monte-Rosa Massiv im Norden. Von La Spezia bis nach Finale Ligure folgten wir den Spuren der Wölfe und traversierten dabei ein Grossteil des ligurischen Gebirge – eine eindrückliche Reise vom Apennin in die Alpen, durch eine Region voller Geschichte, Kontraste und überraschender Wildheit.

La Spezia bildet den Auftakt zu unserem grossen Abenteuer auf der Alta Via Liguria. Abwechslungsreiche und überraschend flowige Trails durchqueren diese eindrückliche Landschaft der Cinque Terre. An den steilen Hängen die fast senkrecht ins azurblaue Meer abfallen, erwarten uns immer wieder spektakuläre Tiefblicke. Im Laufe der Jahrhunderte entstand in diesen steilen Hängen eine einzigartige Terrassenlandschaft. Rund 8000 Kilometer Steinmäuerchen verteilen sich über die Steilküste. Während in den tiefen Lagen Wein, Oliven und Zitronen gedeihen, führen unsere Trails in den hohen Lagen durch verwunschene Kastanienwälder. Flow pur geniessen wir auf diesen kilometerlagen Trails. Zeitweise ziehen Nebelschwaden auf, die feuchte Luft und die würzigen Gerüche erinnern mich an die Urwaldetappe am Kilimanjaro. Bei angenehmen Temperaturen geniessen wir einen perfekten Start in diese einzigartige Traversierung.


Mit jedem Kilometer tauch wir mehr ein ins wilde Hinterland und entfernen uns vom Mittelmeer. Auf dem Monte San Nicola schweift unser Blick vorerst ein letztes Mal über den Golf von Ligurien, bevor wir in die endlose Einsamkeit des ligurischen Apennins eintauchen. Entlang des Hauptkamms folgen wir alten Handelswegen und vergessenen Passübergängen. Dabei pendeln wir ständig zwischen Ligurien und der Emilia-Romagna und durchqueren eine Landschaft, die zunehmend an das Baskenland oder die Vogesen erinnert. Erste Mienen-Wege tauchen auf und mit gutem Blick sind auch alte Stollen vom Erzabbau zu erkennen. Verlassene Höfe, überwucherte Terrassen und menschenleere Täler erzählen vom rasanten Rückzug der Berglandwirtschaft. Wir geniessen das Gefühl, fernab jeder Zivilisation unterwegs zu sein.


Die Berge werden höher und das Gelände wird alpiner. Vertreter der bedeutendsten Wolfspopulation Norditaliens heulen in diesen ausgedehnten Mischwäldern. Inzwischen sind wir 40 Kilometer vom Meer entfernt, es erwarten uns endloslange und gut verstecke Trails. Die fast stundenlangen Abfahrten sind ewahre Leckerbissen. Wir erreichen das Tal der Trebbia. Sie gilt als schönster Fluss des Apennins. Ernest Hemingway beschrieb es als eines der schönsten Täler. Hier spüren wir die Spuren Hannibals auf. Nach dem er die Alpen erfolgreich überquert hat, stand er hier beim zweiten punischen Krieg den Römern gegenüber. Er hat sie besiegt und hier im Tal bei seinen verbündeten ligurischen Kriegern überwintert.

Über Gipfel, Kreten und durch Flanken, Wälder und längst aufgelassene Alpweiden fahren wir vier Stunden Singletrails am Stück. Mittendrin einer der bedeutendsten und aussichtsreichsten Berge Liguriens. Der Gipfel muss verdient werden, aber dann steht man genau im Schnittpunkt der „Riviera di Ponente“ und „Riviera di Levante“. Der Nebe verzieht sich im richtigen Moment und wir geniessen einen magischen Augenblick. Nun startet die unendlich lange Abfahrt. Aus dem vergessenen und verwinkelten Hinterland geht es nun kontinuierlich zurück Richtung Riviera. Eine Tour die nachhaltig beeindruckt und tiefe Spuren hinterlässt. So viel Einsamkeit hätte in Ligurien wohl niemand von uns erwartet.


Am fünften Tag erwartet uns die Königsetappe. Die Höhenmeter sind das eine, das andere sind die sehr fordernden Wegabschnitte. Das Einteilen der Energie und die regelmässige Verpflegung ist das A und O. Für mich als Guide ist auch das Zeitmanagement entscheidend – das Ziel sind wenig Stopps und die Gruppe in den Flow bringen. Es gelingt perfekt und alle kommen glücklich und zufrieden in unserer Bergunterkunft an.
Fast die gesamte Tour verläuft auf der Wasserscheide zwischen dem ligurischen Meer und der Adria, zwischen Ligurien und dem Piemont. Die Sicht ist atemberaubend. Im Norden blicken wir über die Poebene bis zum Monte-Rosa Massiv und gleichzeitig sehen wir im Süden übers Meer bis nach Korsika! Und im Westen sticht die markante Silhouette des 3841 Meter hohen Monviso aus der Westalpen-Kette heraus. Einfach nur spektakulär…

Am 6. Tag neigt sich die Alta Via Liguria dem Ende zu. Kurz vor dem Ziel erreichen wir einen Ort, der weit mehr ist als nur ein geografischer Punkt auf der Karte. Es ist der Übergang vom Apennin in die Alpen am Colle di Cadibona. Ein unscheinbarer Stein mit einem kleinen Schild markiert diesen Moment. Links erstreckt sich der Apennin, rechts beginnen die Alpen. Für uns hat dieser Platz eine ganz besondere Bedeutung. Unzählige Biketage mit unvergesslichen Abenteuern haben wir bereits in den Alpen verbracht. Und genau hier stehen wir am Ursprung dieser beeindruckenden Gebirgskette, die sich über rund 1200 Kilometer bis zum Kahlenberg vor den Toren Wiens zieht.
Die Kilometer des Tages vergehen wie im Flug. Mit jedem Anstieg und jeder Kurve rückt Finale Ligure näher. Die legendäre Schlussabfahrt erwartet uns bereits. Wie im Flug rollen wir aus den Bergen hinaus nach Final Borgo zum obligaten Gelati.
Die Ligurischen Alpen haben sich uns in unzähligen Facetten gezeigt. Rau, wild, einsam, überraschend und wunderschön. Wir durften einen grossen Teil dieser aussergewöhnlichen Landschaft entdecken und erleben. Die Erinnerungen, die wir von hier mitnehmen, prägen uns.
Ein grande graaaaazie mille unserem Betreuer George und euch allen für diese wunderschöne Zeit welche wir zusammen im wilden Ligurien erleben durften.

Kommentare

Stefan
16. Juni 2026
Lieber Luki - es war wiedermal genial. Die Tour kann ich nur bestens allen empfehlen. Es ist eine fantastische Route durch das wilde unbekannte Ligurien. Unendliche Trails rauf und runter über alle Grate, abwechslungsreich, wild und einsam. Wir waren eine tolle Gruppe, Danke Dir Luki, Danke Euch allen, Danke Georg für Unterstützung u Begleitung und Orga. Nur so kann man so toll radeln .... und haben wir gut gelacht !!! Gern sofort wieder !

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