Unter kreisenden Geiern über die Trails der Hugenotten (23. – 30. Mai 2026)

Zwischen Rhônetal und Dévoluy-Massiv versteckt sich eines der wohl unbekanntesten Bike-Reviere Frankreichs. Für viele von uns war diese abgelegene Region bislang kaum mehr als ein weisser Fleck auf der Landkarte – bis wir eintauchten in eine Welt aus endlosen Trails, wilden Schluchten und stillen Bergdörfern. Hier scheint die Zeit langsamer zu laufen. Mensch und Natur leben im Einklang, die Geschichte der Hugenotten ist bis heute spürbar und die Stimmung unterscheidet sich komplett von allem, was man sonst aus den Alpen kennt. Tag für Tag führte uns dieses geheime Trailnetz tiefer hinein in eine faszinierende Landschaft voller Weite, Geschichte und purem Bikerglück.

Drei grosse Schleifen, drei knackige Anstiege und drei Abfahrten, die uns vom ersten Tag an komplett in diese wilde Region eintauchen lassen. Bei hochsommerlichen Temperaturen biken wir durch die abgelegene Landschaft rund um Glandage, rollen über uralte Verbindungswege und tauchen tief hinein in die einsame Welt des oberen Diois. Immer wieder führt der Trail durch die spektakuläre Schlucht des Gâts, vorbei an steilen Felswänden, versteckten Wäldern und stillen Spuren vergangener Zeiten. Hier im oberen Diois ist es besonders einsam und wild – der Mensch hat sich hier längst zurückgezogen. Geblieben ist ein atemberaubendes Wegenetz. Mitten im Nirgendwo entdecken wir schliesslich die Ruinen einer zerstörten Hugenotten-Kirche – ein geheimer Ort voller Geschichte, der perfekt zur rauen und mystischen Stimmung dieser Region passt.

Der heutige Tourentag reiht Trail an Trail rund um das historische Châtillon-en-Diois – ein uraltes Dorf mit verwinkelten Gassen, steinernen Brunnen und einer Geschichte, die bis weit ins Mittelalter zurückreicht. Zwischen den Schleifen kehren wir immer wieder hierher zurück, um kostbares Wasser nachzufüllen, denn die Temperaturen knacken schon jetzt im Mai die 30-Grad-Marke. Die zweite Schleife fordert alles: Ein langer Trail-Uphill zieht sich hoch über das Vallée de la Drôme und bringt uns zu einem spektakulären Aussichtspunkt. Riesige Geier kreisen über uns. Wir überblicken die wilden Weiten des oberen Diois und am Horizont erblicken wir die hellen Kalkfelsen des zerklüfteten Dévoluy-Massivs. Der aussergewöhnlich warme Frühling hat die Natur Wochen vorausgeschickt. Die Vegetation explodiert förmlich, der Ginster leuchtet Gelb und die Trails sind bereits jetzt so staubtrocken wie mitten im Hochsommer.


Am dritten Tag zieht es uns hinauf auf das gewaltige Vercors-Massiv – eine wilde Karsthochfläche aus hellem Kalkstein, die wie eine natürliche Festung über dem Diois thront. Das Thermometer steigt heute bis auf 34 Grad, und bei jeder Gelegenheit tauchen wir die Köpfe in eiskalte Brunnen und nässen unsere Tricots – eine einfache, aber extrem wirkungsvolle Taktik, um die Körpertemperatur tief zu halten und auf den langen Uphills wertvolle Energie zu sparen. Auf spektakulären Trails biken wir entlang der Felsabbrüche des Vercors, während weit unter uns das provenzalisch wirkende Diois in der Hitze flimmert. Danach folgt ein scheinbar endloser Trail mit über 1100 Tiefenmetern zurück ins Tal.


Heute zieht es uns tief hinein in die stille Bergwelt rund um Die, dorthin, wo sich die wilden Kalkwände des Glandasse fast senkrecht über den grünen Tälern auftürmen. Hoch über uns kreisen Gänsegeier lautlos entlang der Thermik, während wir auf uralten Wegen zum abgelegenen Kloster Valcroissant gelangen – einst eines der bedeutendsten Kartäuserklöster der Region, gegründet im 12. Jahrhundert und bis heute ein mystischer Ort voller Geschichte. Nun folgen zwei ausgedehnte Loops mit kilometerlangen und unendlich flowigen Hugenotten-Trails. Durch Wälder und entlang einsamer Bergflanken geht es zurück Richtung Die – pures Bikerglück ohne Ende… Spätestens beim wohlverdienten Gelati im Dorf ist klar, dass wir nach vier heissen Tagen die beste Gelateria der Region kennen.


Rund um Die zünden wir heute ein gewaltiges Trailfeuerwerk. Ein Trail geht direkt in den nächsten über – mal flowig durch lichte Föhrenwälder, mal technisch über alte Hugenotten-Wege, die sich spektakulär an steilen Hängen entlangziehen. Hoch über dem Vallée de la Drôme erreichen wir den markanten Justin-Gipfel, einen aussichtsreichen Kalkberg genau gegenüber des spektakulären Vercorsmassiv. Seine exponierte Lage bietet gewaltige Tiefblicke ins obere und untere Drôme-Tal – am Horizont ist wieder das markante Devoluy-Massiv zu erkennen. Diese wilden und bis 2800 Meter hohen Kalkzacken sind eine der abgelegensten und rauesten Gebirgslandschaften der französischen Alpen.
Immer wieder sorgen eiskalte Bergbäche für willkommene Abkühlung und bringen die Körpertemperatur zurück auf Normalniveau, bevor wir erneut in dieses unglaubliche Wegenetz eintauchen. Zurück in Die – dem historischen Hauptort des Diois, bekannt für seine römische Vergangenheit und den berühmten Clairette-de-Die – endet auch dieser Tag stilecht mit dem obligaten Gelati.

Das grande Finale führt uns noch einmal tief hinein in das geheime Land der Hugenotten. Vier grosse Schleifen, vier Uphills und vier Traumabfahrten verbinden sich zu einem würdigen Schlussbouquets dieser intensiven Bikewoche. Rund um das winzige Bergdorf Archiane – spektakulär eingebettet am Talschluss unter den gewaltigen Kalkwänden des Vercors – rollen wir über einsame Trails, während hoch über uns die Gänsegeier lautlos ihre Kreise ziehen. Auch rund um den historischen Col de Menée, seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Übergänge zwischen Diois und Trièves, tauchen wir nochmals ein in diese wilde und abgelegene Landschaft voller alter Hugenotten-Wege und vergessener Geschichten. Und genau hier erwartet uns das 38-Spitzkehren-Feuerwerk.
Irgendwo zwischen all diesen Trails, den spektakulären Bergen und den rauschenden Bächen wird klar wie viele Glücksmomente wir erleben durften. Merci von Herzen euch allen für diese wunderschöne gemeinsame Zeit die mir immer in Erinnerung bleibt.

Kommentare

Silvan & Sonja
31. Mai 2026
Was für eine unglaubliche Woche! Die Trails der Hugenotten auf dem Bike zu erleben, war einfach magisch. Die Kombination aus flowigen Abschnitten, knackigen Herausforderungen, der atemberaubenden Landschaft und den kreisenden Geiern über unseren Köpfen war absolut unvergesslich. Danke Luki, für die perfekte Organisation, dein Guiding und diese genialen Tage im Sattel. Es hat einfach alles gepasst – ein echtes Highlight-Abenteuer, das noch lange nachwirken wird! ‍♂️
Reto & Sandra
29. Mai 2026
Merci Luki, für diese unglaublich tolle und wiederum bestens organisierte Bike-Woche. Auch nach dem vierten Mal in dieser Region sind die Hugenotten-Trails immer noch die „Creme de la creme“. Wir können allen deine Camps und diese Region von ganzem Herzen empfehlen.

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