Indian Summer im Alta Rezia (8. – 12. September)

Atemberaubend schöne Hochtäler, tiefblaue Seen und beeindruckende Felslandschaften. Auf hochgelegenen Trails fuhren wir durchs Vinschgau, das Val Müstair und das Engadin und erlebten dabei eine Alpenregion, die uns tief in den Bann zog. Unsere Reifen rollten dort, wo einst Soldaten, Schmuggler, Säumer und Hirten ihre Spuren hinterlassen haben. Es war magisch, wenn sich die Gipfel in den tiefblauen Bergseen spiegelten und uns endlos lange Trails durch eine der schönsten Alpenlandschaften trugen.


Unsere Warm-Up-Tour führt uns durch das mittlere Vinschgau. Zum Auftakt erwarten und flowige Wasserkanal-Trails, sogenannten „Waalwege“. Sie wurden vor Jahrhunderten angelegt, um die trockenen Talflanken mit dem wertvollen Wasser der Bergbäche zu versorgen. Sie waren die Lebensadern des Tales und kilometerlang. Auf ihnen erleben wir Trailgenuss vom Feinsten.
Nun wechseln wir die Talseite und es geht noch mal bei Sommerhitze steil bergan. Die Aussicht wird mit jedem Höhenmeter spektakulärer – wir blicken zu hohen Alpengipfeln und gleichzeitig über den Vinschger Talboden mit seinen unendlichen Apfelplantagen. Genau hier startet die finale Abfahrt. Der Weg wechselt zwischen flowigen Passagen und kurzen technischen Einlagen. Einfach nur schön. Das Indian Summer Camp ist eröffnet.


Die Wetterprognosen künden eine Kaltfront an, welche den heissen Sommer definitiv beenden soll. Wann und wo genau die Regen- und Gewitterzellen eintreffen ist schwer einzuschätzen. Die Prognosen ändern im Halbstundentakt. Es scheint jedoch, dass wir ein Zeitfenster von ca. 5 Std. bekommen. Und genau dies nutzen wir in vollen Zügen aus. Im oberen Vinschgau erwartet uns eine exklusive Panoramatour und Trails, die ihresgleichen suchen – lang, abwechslungsreich und voller alpiner Eindrücke.
Den Blick zum Ortler können wir zwar nur kurz erhaschen. Dieser Gipfel war ein Schauplatz des Ersten Weltkriegs, als Soldaten in Eis und Fels hier die Frontlinie sicherten. Gebirgskanonen, Schützengräben und Kavernen im Gletschereis, eine Seilbahn und sogar eine Telefonleitung befanden sich auf dem 3905 Meter hohen Gipfel. Es war die höchste Gebirgsfront der Alpen.
Wir geniessen die Stille der Natur, denn es scheint, als hätten wir heute die Berge für uns allein. Die Kühe haben die Alpen bereits verlassen und auch sonst ist kein Mensch unterwegs. Wir erleben eine fast unendlich lange Abfahrt. So so sooo cool. Ich drücke wegen dem knappen Zeitfenster schon den ganzen Tag aufs Tempo, Stopps gibt es nur wenige. Aber ganz zum Schluss erwischt uns der Regen dann doch noch. Zum Glück aber noch einigermassen zaghaft – das Zeitmanagement hat funktioniert.


Eigentlich hätte es heute die erste Biketour im Münstertal gegeben. Aber auch heute spielt das Wetter ein unberechenbares Spiel. Die eine Wetterprognose meldet den ganzen Tag trockenes Wetter, während die andere den ganzen Tag Regen voraussagt. Ich halte mir alle Optionen offen und mache das Briefing statt am Vorabend nun kurz vor dem Frühstück und per WhatsApp Chat. Neu gibt es noch mal eine Tour im Vinschgau und dies in unmittelbarer Nähe vom Hotel. Es ist noch unerwartet trocken und wir nutzen jede Minute. Einmal steil berghoch und auf wilden Trails und steilen Alpweiden bergab. Die meisten Wegabschnitte waren trotz des intensiven Regens in der Nacht recht gut fahrbar. Aber es gab auch einige Herausforderungen zu meistern. Zum Schluss baue ich gar einige Verlängerungen ein, da das Wetter immer noch hält. Man könnte sagen «Trailbiken bis der Regen kommt». Der Plan geht einmal mehr auf…


Das Wetter passt und das ganz grosse Tourenspektakel kann starten! Wir fahren in die entlegensten Winkel des Grenzgebiets zwischen der Schweiz und der Lombardei. Der Hauptaufstieg ist ein wahres Abenteuer, es ist ein alter Militärweg, der im Ersten Weltkrieg von italienischen Truppen in einen fast senkrechten Hang gehauen wurde. Denn während die Österreicher den Ortler befestigten, sicherten die Italiener ihre Grenzen mit spektakulären Stellungen auf den gegenüberliegenden Graten. Diese mussten mit entsprechend waghalsigen Wegen erschlossen werden. Wir biken mitten hinein ins Hochgebirge. Eine lupenreine Gipfelbefahrung. Die Aussicht und das Panorama sind atemberaubend schön – Ortler und Bernina sind zum greifen nah. Wir blicken hinunter in die tiefen Täler und spüren Glücksgefühle in unseren Bikerherzen.
Die Abfahrt führt kurzzeitig über weglose Freeride-Passagen, auf denen wir unsere Linie selbst suchen können – Adrenalin pur. Die Stille der Berge beeindruckt mich. Und plötzlich stehen wir da bei diesem unglaublichen Bergsee. Tiefblau – schöner geht es nicht. Wir rauschen auf unendlichen Trails ins Tal zurück. Bikespirit pur. Ich bin unendlich glücklich.


Zum Abschluss der Indian Summer Biketage geht es ins mittlere Engadin. Der Morgen ist mit 1 Grad bitter kalt. Kaum vorstellbar dass wir vor 5 Tagen noch über 30 Grad hatten. Aber auch das ändert sich bis am Mittag… Abseits bekannter Wege erleben wir raue, wilde und stille Seitentäler des Engadins. Hierhin verirrt sich kein Tourist. Es sind alte Hirtenwegen zu den hochgelegenen Alpen, die seit Jahrhunderten von Generationen genutzt werden.
Wir wechseln die Talseite und werden noch mal richtig gefordert. Aber für das, was uns geboten wird lohnt sich jeder Uphillmeter. Das Alpenpanorama zum Berninamassiv ist atemberaubend schön. Sogar noch eine verschneite Spitze vom Ortlermassiv ist zu erkennen. Glücksgefühle kommen hoch. Im Team-Flow rauschen wir ins Tal hinunter. Ein Dutzend Trails reihe ich aneinander – 1200 Höhenmeter Trailabfahrt… Wir geniessen magische Momente – sie gehen tief ins Herz. Danke euch allen für all diese schönen Erlebnisse!

Kommentare

14. September 2026
Ahoi Luki und Ueli! Vielen Dank für die schönen Tage im Vinschgau, Val Müstair und Engadin. Dass wir trotz des Wetters an jedem Tag eine coole Tour machen konnten, war nur dank Lukis gutem Draht zu Petrus möglich. Danke für die Flexibilität in der Tourenplanung! Liebe Grüsse Roli
14. September 2026
Lieber Luki & Ueli. Gaaaanz herzlichen Dank für das wiederum bestens organisierte Bike-Camp. Ihr beide habt das Beste und das Maximum aus jedem Tag rausgeholt. Auch die beiden Hotels waren wiederum beste Wahl.... wir freuen uns auf die weiteren Bike-Camps mit euch beiden.... Reto + Sandra

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