Nur fünf Tage vor unserer Anreise gab es noch mal eine ordentliche Ladung Schnee bis in den Talboden. Die Neuschneemenge war schon beachtlich. Dank verschiedener Tourenoptionen und den Wetter-Voraussagen war ich trotzdem gelassen. Mein Bike-Freund Alexander aus Visp gab mir zudem regelmässige Schnee- und Trail-Updates, so wusste ich sehr genau wie es vor Ort aussieht. Die Planung musste ich nur minimal anpassen, alle Touren führten uns bis an die Schneegrenze – aber nicht darüber hinaus. Wir konnten diese unglaubliche Trailvielfalt in vollen Zügen geniessen und erleben.
Hoch über dem Tal der Rhone fuhren wir auf spektakulären Suonen-Trails und über uralte Verbindungswege durch die steilen Bergflanken. Jeder Trailmeter steigerte das Bikerglück. Und das ganze sogar bei bis zu sommerlichen 24°C.

Ein paar Minuten verzögert sich der Start des ersten Tourentages – der Guide hatte wegen dem Stau am Lötschberg etwas Verspätung… Aber ich war nicht der Einzige ;-). Die ersten langen Frühlingstouren sind für mich immer wieder etwas Besonderes. Und auch nach fast 40 Jahren auf dem Bike spüre ich wie viel mir das Mountain-Biken bedeutet und wie viel Freiheit, Freude und Emotionen ich dabei spüre.
Wahlweise etwas kraftschonender auf einer Bergstrasse oder dann knackig auf Trails erklimmen wir den ersten Berg. Die erste Abfahrt erwartet uns – aussichtsreich, mal schnell, mal knackig und dann wieder verspielt. Es ist Genuss pur den Rhythmus des Trails aufzunehmen und mit dem Bike und dem Trail zu spielen. Im Gruppenflow und mit dem Duft des Föhrenwaldes in der Nase rauschen wir dem Tal entgegen. Frühlingsgefühle! Und weil es so schön ist geht es gleich noch mal auf der anderen Talseite berghoch. Hier erwartet uns ein knackiger wie spektakulärer Trail (Bild). Ich vermute es ist ein alter «Arbeiterweg» der hier 1906 im felsigen Gelände angelegt wurde damit die Arbeiter zur damaligen Baustelle der Lötschberg Südrampe kamen.

Der zweite Tag ist quasi dem «Heida-Wein» gewidmet. Immer wieder rollen unsere Stollen über Trails die mitten durch diese Rebberge führen. Es sind die höchstgelegenen Weinberge der Alpennordseite. Mit jedem Meter wird es wärmer, die Trails sind staubtrocknen. Einmal mehr biken wir bis zur Schneegrenze auf ca 1400 Meter und reizen diesbezüglich unser Tourenrevier in vollen Zügen aus.
Atemberaubende Suonen-Trails nehmen wir mit. Diese Wasserkanäle führen im Winter kein Wasser – sie werden in den nächsten Wochen gereinigt und dann wieder in Betrieb genommen.

Es ist Ostersonntag – seit jeher versteckt da der Osterhase bei allen Luki-Bikern einen Osterhasen im Bike und es erwartet uns ein gebührender Oster-Ride. Wir biken zu einem der steilsten Bergdörfer des Wallis. Man sagt, dass die Einheimischen hier ihre Hühner mit Nägeln am Boden befestigen, damit diese nicht ins Tal hinunterrollen.
Einen Trail reihen wir an den nächsten. Faszinierende alte Alp- und Verbindungswege und auch immer wieder die sagenumwobenen Suonen-Trails. Nur mit Hilfe von künstlichen Bewässerungstechniken (Suonen /Bissen) ist an trockenen Bergflanken des Wallis eine Landwirtschaft überhaupt möglich. Die ältesten Datierungen von diesen Bewässerungssystemen stammen aus dem 12. Jahrhundert. Bis zu 600 Suonen waren einst im Wallis in Betrieb. Derzeit sind 300 registriert und 200 in Betrieb, was einer Gesamtlänge von 1800 Kilometern entspricht.

Unter uns liegen die Rebberge und über uns strecken sich die 4000-er in den Himmel. Es gibt in den Alpen nur wenige Täler, die einen solch grossen Reliefunterschied aufweisen. Von den mediterranen Weinbergen geht es durch sämtliche alpine Vegetationsstufen, hinauf bis ins vergletscherte Hochgebirge. Oftmals ziehen sich diese Trails durch mehrere dieser Vegetationsstufen – ein Erlebnis, das ich im Wallis ganz besonders schätze. Hoch über dem Tal der Rhone geniessen wir Ausblick und Trails ohne Ende. Wir reihen ein Weg an den anderen und geniessen heute ein nahezu stundenlanges Trailvergnügen.
Trails der Extraklasse liessen unsere Bikerherzen höherschlagen. Ein Saison-Auftakt nach Mass. Ganz herzlichen Dank für dieses Erlebnis inmitten der Walliser Bergwelt. Das waren Bike-Emotionen vom Allerfeinsten! Paddy, vielen Dank für dein grossartiges Co-Guide Engagement bei der Technik-Gruppe!


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